Anlage eines Weingartens am Freisinger Domberg (seit April 2009)
Erstmals nach rund drei Jahrhunderten wurden am sonnigen Südhang des Freisinger Dombergs wieder Weinstöcke gepflanzt. Seit dem Mittelalter bestand – wie an vielen Orten in Altbayern – auch dort ein stattlicher Weinberg. Eine bildliche Darstellung dieser Anlage findet sich auf der bekannten Südansicht Freisings (1642), die der Kupferstecher Matthäus Merian geschaffen hat (vgl. Abbildung). Einige spärliche archivalische Hinweise ergänzen dieses Bild: Demnach oblag die Pflege und Ernte des Freisinger Weinberges einem „Weinzierl“, einem Winzer also, der eigens dafür bei Hof angestellt war. Auch wird Mitte des 17. Jahrhunderts auf dem Domberg eine eigene „Torggel“, eine Weinpresse, erwähnt. Wohl aufgrund der seit Ende des 16. Jahrhunderts einsetzenden Klimaabkühlung („Kleine Eiszeit“) wurde ähnlich anderen Orten in Mitteleuropa auch in Freising der Weinbau bis zur ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts eingestellt.
![Freisinger Weingärten im 17. Jahrhundert (Markierung), Kupferstich von Matthaeus Merian, 1642. [Bild] Freisinger Weingärten im 17. Jahrhundert (Markierung), Kupferstich von Matthaeus Merian, 1642.](http://www.stadtbildpflege.de/cms/upload/content/projekte/initiativen_zur_baugestaltung/weinbau-Vorschau.jpg)
Freisinger Weingärten im 17. Jahrhundert (Markierung), Kupferstich von Matthaeus Merian, 1642.
Rund 300 Jahre später haben nun die Freisinger Stadtbildpfleger einen neuen, zunächst noch überschaubaren Weingarten angelegt. Am 18. bzw. 25. April 2009 wurden auf einem etwa 100 m² großen Hangstück direkt unterhalb der Freisinger Residenz (Bildungszentrum „Kardinal-Döpfner-Haus“) insgesamt 99 Weißweinstöcke der Sorte Johanniter eingesetzt. Nach steter Pflege des Weingartens, aber auch des Hanges um den Garten herum, konnten wir am 3. Oktober 2011 erstmals eine kleine Weinernte einfahren.