Schon
in früher Zeit dürfte der sonnige Südhang des Freisinger Dombergs mit
Obstbäumen und Weinstöcken bepflanzt worden sein. Wohl infolge der Errichtung
des Bischofsitzes im 8. Jahrhundert wurden diese wertvollen Flächen Eigentum
des Freisinger Bischofs – und blieben es bis 1802/03. Den Hang und auch die
unterhalb davon gelegene ebene Fläche entlang der Herrenmoosach hatte man
zunehmend kultiviert und mit vielerlei Obstbäumen, Weinstöcken bzw. mit Gemüse-
und Kräuterbeeten versehen. Die reiche Ernte dieses großen Nutzgartens diente
Jahrhunderte hindurch der täglichen Versorgung des Freisinger Hofes und der
Freisinger Geistlichkeit.
Im
17. Jahrhundert wurde ein Teil des Gartens auch zu repräsentativen Zwecken
umgenutzt: verschiedene Stadtansichten, die dort Blumenrabatten und einen
kleinen Gartenpavillon inmitten eines kleinen Weihers direkt unterhalb der
Residenz zeigen, bezeugen dies. Mit der Anlage des neuen großen Hofgartens
nördlich der Stadt (an der heutigen Kammergasse) ab dem Jahr 1663 verlor der
alte Garten am Dombergsüdhang wiederum jegliche Repräsentationsfunktion und
wurde nun ausschließlich zum Anbau von Obst, Gemüse und Kräutern benutzt. Da
die bisherige Bezeichnung „Hofgarten“ ebenfalls auf den neuen Hofgarten
überging, kam die Bezeichnung „Hofküchengarten“ auf: damit wurde der Charakter
als Nutzgarten deutlich unterstrichen.
Für
das 18. Jahrhundert haben sich Hinweise auf den Anbau und die Ausstattung des
Freisinger Hofküchengartens – verschiedene Korrespondenzakten sowie einige
wenige „Hofküchengartenrechnungen“ – erhalten. Demnach waren der Süd- bzw. der
Südosthang mit etwa 400 Obstbäumen, darunter Apfel-, Birn-, Zwetschgen-,
Weichsel-, Schwarzkirschen-, Aprikosen-, Pfirsich-, Mirabell-, Ringlotten- und
Nussbäumen bepflanzt. Verschiedene Zierobstbäume in Blumenkübeln standen ferner
auf der Residenzterrasse. Auf den ebenen Flächen zwischen Bergfuß und Herrenmoosach
wurden ausgedehnte Frühbeetanlagen für Gemüse und Kräuter errichtet. Kohlgemüse
hatte man dort ebenso angebaut wie Hülsenfrüchte, Salat-, Zwiebel-, Wurzel-,
Gurken- und Sprossengemüse. Auch Kräuter wie Thymian, Basilikum, Majoran,
Lorbeer u. a. gediehen hier prächtig. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts lassen
sich am Südhang ferner auch Weinstöcke nachweisen. Bis Mitte des 18.
Jahrhunderts dürften die Trauben zur Weinproduktion verwendet worden sein,
später hingegen nur mehr als Frucht zum Essen. In der Mitte des Gartens, etwa
im Bereich, in dem die Herrenmoosach einen Bogen nach Nordosten macht, lag der
– im 20. Jahrhundert verfüllte – Hofküchengartenweiher. Hierin züchtete der
Freisinger Hoffischer verschiedene Fischarten für die fürstbischöfliche
Hoftafel heran. Schließlich wird im 18. Jahrhundert mehrmals auch die Existenz
einer kleinen Baumschule bezeugt, die vermutlich im nordöstlichen Teil des
Hofküchengartens lag.
Ab
1796 erwarb der Domherr Franz Joseph von Stengel den östlichen Teil des Hofküchengartens
und ließ hier einen im englischen Landschaftsstil gestalteten Garten anlegen.
Verschlungene Wege, ein Badhaus und eine Reihe exotischer Gewächse prägten
diesen Freisinger „Englischen Garten“.
Das
Ende der fürstbischöflichen Herrschaft 1802/03 und die Verlegung des
Bischofsitzes nach München 1821 brachten das Ende der meisten
Versorgungseinrichtungen des Hofes. Der ehemalige Hofküchengarten wurde jedoch
bald wieder intensiv genutzt: als man 1826 im Residenzgebäude das
Priesterseminar der Erzdiözese München und Freising untergebracht hatte, wurde
er in die Versorgung des Seminars miteinbezogen.
Infolge
der Verlegung des Priesterseminars nach München im Jahr 1968 blieb der Garten
in weiten Teilen ungenutzt. Erst im Laufe der Jahre wurde er für die Versorgung
des Bildungszentrums „Kardinal-Döpfner-Haus“, das heute im Residenzgebäude
untergebracht ist, wiederentdeckt. Vor allem seit 1994, als sich der
Landschaftspflegeverband Freising dem früheren Freisinger Hofküchengarten
angenommen hat, konnte schrittweise eine deutliche Aufwertung dieses alten
Kulturortes erreicht werden.
Die Möglichkeiten, die der
Garten nicht zuletzt durch seine Lage und auch im Hinblick auf seine
historischen Traditionen bietet, sind indes bis heute nicht voll ausgeschöpft.
Vgl.
hierzu: Notter, Florian: Nahrungsmittelversorgung am fürstbischöflichen Hof in
Freising im 18. Jahrhundert, unveröffentl. Magisterarbeit, Regensburg 2007.
Die Gartenfläche heuteMaßnahmen zur Wiederbelebung des Gartens