Stellungnahme zum Thema Neubenennung „Christopher-Paudiß-Platz“ (28.7.2009)

 

An die Mitglieder des Freisinger Stadtrates

 

Wie bereits in einer Stellungnahme vom Oktober 2008 dargestellt, halten wir die Benennung des Areals zwischen der St.-Georg-Schule und dem Heiliggeistspital in „Christopher-Paudiss-Platz“ für überdenkenswert. Nicht deshalb, weil etwas gegen den bedeutenden Hofmaler Christopher Paudiss (um 1630-1666) , vermutlich – aber keineswegs gesichert – ein Schüler Rembrandts und insgesamt vier Jahre in Freising ansässig, spricht, sondern deswegen, weil für das betreffende Areal ein historisch belegbarer Name, nämlich die Bezeichnung „Im Barthof“ vorhanden ist.

 

Bei der Bezeichnung „Im Barthof“ handelt es sich um einen ganz typischen alten Freisinger Straßennamen, der sich bereits im Jahr 1403 erstmals nachweisen lässt und bis ins 20. Jahrhundert hinein gebräuchlich war. Im Zeitraum etwa zwischen 1920 und 1950 verliert sich dieser alte Name, spätestens mit den Abbrüchen der Gebäude auf dem Gelände des Barthofes 1962 dürfte dieser ganz aufgegeben worden sein. Die Abbrüche geschahen auf Betreiben der Stadt Freising, um Platz für größere Verkehrsprojekte zu schaffen (neue Straßen, Parkflächen). Die heutige Baulücke ist also erst durch – im Nachhinein verfehlte – städtische Verkehrsplanungen entstanden.

 

Mit einer möglichen Benennung des betreffenden Areals in „Christopher-Paudiss-Platz“ würde mit einer traditionellen – gleichwohl seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr gebräuchlichen – Freisinger Straßenbezeichnung gebrochen werden. Die – zumeist mittelalterlichen – Namen unserer Altstadtstraßen, -gassen und -plätze sind ein ebenso wertvolles und bewahrenswertes Gut wie die historische Bausubstanz selbst. Sie spiegeln den unverwechselbar altbayerischen Charakter Freisings wider und sie sind weder beliebig austauschbar, noch vermehrbar.

 

Was außer dem Verlust eines historischen Freisinger Straßennamens desweiteren gegen die Benennung „Christopher-Paudiss-Platz“ spricht, ist die Bezeichnung „Platz“: das betreffende Areal zwischen der ehem. Schule St. Georg und dem Heiliggeistspital ist eigentlich kein Platz, sondern, wie erwähnt, eine durch einen Planungsschaden entstandene Baulücke der jüngeren Vergangenheit; eine Umbenennung in „Christopher-Paudiss-Platz“ würde diese Lücke geradezu zementieren. Zudem trägt der heutige parkähnliche Charakter mit vielerlei Bäumen und Sträuchern auch nicht eben zu einem Platzcharakter bei. Schließlich meine ich, sollte man generell mit der Vergabe der Bezeichnung „Platz“ äußerst vorsichtig und sparsam umgehen, da ein Platz in einer historischen Altstadt immer auch mit einer herausragenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder kulturgeschichtlichen Bedeutung verbunden ist. Wir haben in Freising eigentlich nur zwei historische Orte, die die Bezeichnung „Platz“ verdienen: der Domplatz und der Marienplatz.

 

Wir möchten vorschlagen, die erst in jüngerer Vergangenheit verloren gegangene Bezeichnung „Im Barthof“ für das betreffende Areal wieder einzuführen. Man würde sich somit einer jahrhundertealten Tradition anschließen. Im Gegensatz zu der etwas aufgesetzten und künstlichen Bezeichnung „Christopher-Paudiß-Platz“ hätten wir mit dem Namen „Im Barthof“ eine ehrliche und ebenso erdige Benennung wie es für alte Städte in Altbayern üblich ist (Vergleichen Sie z.B. die schillernden Straßennamen der Regensburger Altstadt: „Im Stall“, „Hinter der Pfannenschmiede“, „Vor der Grieb“, „Am Wadmarkt“, etc., oder auch der Passauer Altstadt: „Steinweg“, „Roßtränke“, „Oberer Sand“, etc.).

 

Ohne Zweifel hat der bedeutende Maler Christopher Paudiß einen Straßen- oder auch Platznamen verdient. Das kann aber auch außerhalb der Altstadt geschehen, so wie alle anderen bedeutenden Künstler in Freising auch außerhalb des historischen Kerns ihre Straßennamen erhalten haben (z.B. Asamstraße, Viscardistraße, Therese-von-der-Vring-Straße, etc.). Mit einer Benennung in „Christopher-Paudiß-Platz“ könnte man auch daran denken, den Platz hinter dem Asamgebäude in „Hans-Georg-Asam-Platz“ oder den Platz hinter dem Gefängnis in „Johann-Baptist-Zimmermann-Platz“ umzubenennen. Das entspräche keineswegs dem Charakter und der Tradition der Freisinger Altstadt. Niemand würde dies nachvollziehen können.

 

Ganz allgemein ist jedoch anzumerken, dass es dem Andenken des bedeutenden Malers eher entspräche, eine Institution, etwa die neue Schule auf dem Stein-Kasernen-Areal, nach ihm zu benennen. Wir haben mit der Karl-Meichelbeck-Realschule und dem Camerloher-Gymnasium bereits Schulen, die den Namen eines Freisinger Hofhistoriographen bzw. eines Freisinger Hofkapellmeisters tragen, ebenso ist eine „Christopher-Paudiss-Schule“ denkbar.

 

Ich bitte Sie deshalb eindringlich, die Sachlage ganz unvoreingenommen zu sehen, im Sinne einer Freisinger Tradition zu handeln und der Altstadt einen ihrer alten Namen zurückzugeben. In wunderbarer Weise fügt sich der Name „Im Barthof“ in die Reihe „Am Wörth“, „Am Büchl“, „Hummelgasse“, „Fischergasse“, „Am Graben“, etc. ein.

 

Florian Notter

Vorsitzender

 

Literatur
1Vgl. hierzu: Steiner, Peter B./ Hahn, Sylvia (Hg.): Christopher Paudiß. 1630-1666. Der bayerische Rembrandt? (Diözesanmuseum für christliche Kunst des Erzbistums München und Freising, Kataloge und Schriften 44) Regensburg 2007.
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