Stellungnahme zur Neugestaltung des vhs-Gebäudes (06.04.2008)
Dass mit dem früheren städtischen Krankenhaus an der Kammergasse (vhs-Gebäude) eine der baugeschichtlich interessantesten und wertvollsten städtischen Liegenschaften generalsaniert werden soll, begrüßen wir sehr. Das Erscheinungsbild des klassizistischen Baues leidet bis heute durch eine misslungene Umgestaltung in den 1960er Jahren. Durch die anstehende Renovierung kann das Gebäude für das Freisinger Stadtbild wieder an Wert hinzugewinnen.
![[Bild] Ansicht ehemals Städtisches Krankenhaus [Bild] Ansicht ehemals Städtisches Krankenhaus](http://www.stadtbildpflege.de/cms/upload/content/projekte/stellungnahmen/staedtisches_krankenhaus_vhs_01_klein.jpg)
Detailansicht ehemals Städtisches Krankenhaus (Klick für größere Darstellung)
Die bisher bekannten Planungen zur künftigen Raumdisposition, in die wichtige Teile der historischen Bausubstanz (Gewölbe, Treppeanlage, Dachstuhl) miteinbezogen werden sollen, zeigen ein großes Verständnis für das klassizistische Bauwerk. Während man dem bauzeitlichen Grundriss eindeutig entgegenkommt, werden im Bezug auf die Fassadengestaltung noch mehrere Varianten diskutiert, darunter auch solche, die unserer Meinung nach nicht zu einem harmonischen Gesamtbild von Gebäude und Umgebung beitragen.
![[Bild] Aktuelle Ansicht des VHS-Gebäudes, 2008 [Bild] Aktuelle Ansicht des VHS-Gebäudes, 2008](http://www.stadtbildpflege.de/cms/upload/content/projekte/stellungnahmen/staedtisches_krankenhaus_vhs_02_klein.jpg)
Ansicht des VHS-Gebäudes im Jahr 2008 (Klick für größere Darstellung)
Wir möchten hiermit alle Entscheidungsträger darum bitten, bei der Fassadengestaltung des Gebäudes eine Variante zu wählen, die sich am deutlichsten an das klassizistische Erscheinungsbild der Bauzeit anlehnt (wie auf dem beiliegenden Foto aus der Zeit um 1960) und zwar aus folgenden Gründen:
1. Bei dem Bau handelt es sich neben dem Gebäude des heutigen Diözesanmuseums um den einzigen Vertreter des Klassizismus in Freising. In den Jahren 1829 bis 1834 errichtet, bildet es das allererste größere Bauprojekt der Stadt nach dem Säkularisationsschock von 1802/03 und somit auch das allererste Bauprojekt, das ohne die über Jahrhunderte übliche Einflussnahme der fürstbischöflichen Verwaltung ganz von einer selbständigen Bürgerschaft verwirklicht wurde. Gerade die klassizistische Fassade verkörperte in ihrer schlichten Monumentalität diese neue, bürgerliche Epoche in Freising.
2. Mit dem Mittelrisalit samt seinem Dreiecksgiebel ist noch ein wesentlicher Bestandteil der klassizistischen Fassade vorhanden. Um ein harmonisches Gesamterscheinungsbild zu bekommen, wäre es vor allem wichtig, die Fassade um die ursprüngliche, plastisch wie farblich abgehobene Sockelzone im Erdgeschoss zu ergänzen.
3. Als repräsentativer Bau steht das Gebäude in der Nachfolge des einstigen barocken Hofgartenschlosses, das nur wenige Meter westlich davon lag. Die Fassade mit Risalit, Dreiecksgiebel und Sockelzone ist es, die diesem Gebäude seinen repräsentativen Charakter verleiht und somit an dieser Stelle eine vielhundertjährige Kontinuität im Freisinger Stadtbild wahrt.
Neben einer Annäherung an die einstige klassizistische Fassade ist es unserer Ansicht nach auch notwendig, die Schauseite des Gebäudes zur Kammergasse hin freizuschneiden, damit die erneuerte Hauptfassade auch entsprechend zur Wirkung kommt.
Die Vorstandschaft
des Vereins „Stadtbildpflege und Baukultur in Freising e.V.“
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